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Mitarbeiterteam und Lebensgemeinschaft

In der Lebensgemeinschaft im Sewa Ashram finden die kranken, verletzten und traumatisierten Obdachlosen Ruhe und Anerkennung, oft erfahren sie das zum ersten Mal in ihrem Leben. Im Durchschnitt bleibt ein Patient bei uns sechs Monate in Behandlung, lange genug für die körperliche Heilung und eine prägende Lebenserfahrung. Unsere Gemeinschaft umfasst ca. 130 Mitglieder, fast jeden Tag kommen neue Patienten dazu und es werden genesene Patienten verabschiedet, um zu ihren Familien oder Jobs zurück zu kehren. Andere Patienten entscheiden sich zu bleiben, und dabei mit zu helfen, die neuen Patienten zu betreuen. Das Füreinander da sein in der Gemeinschaft ist ein wichtiges Element des Genesungsprozesses. Indem der Patient anderen dient, erfährt er seine eigene Heilung.

Das Mitarbeiterteam im Sewa Ashram bestand zum Jahresende 2008 aus 11 indischen Angestellten, 11 ehrenamtlichen Mitarbeitern (5x Deutschland, 1x Australien, 1x Neuseeland, 2x USA, 1x Schweiz, 1x Indien) und 24 ehemaligen Patienten, die auf der Basis von freier Kost und Logis plus Taschengeld mitarbeiten. Mit Ausnahme einiger indischer Angestellter leben und arbeiten alle diese Mitarbeiter in Form einer Lebensgemeinschaft im Sewa Ashram zusammen.

Die 24 ehemaligen Patienten erledigen einen Großteil der täglichen Arbeit. Sie kümmern sich um die Zubereitung der Mahlzeiten für alle Bewohner und Patienten und sie halten den Ashram sauber. Sie sorgen für die Bedürfnisse und die Hygiene der Patienten, halten die Einrichtungen im Ashram in Schuss und haben dieses Jahr einige größere Projekte durchgeführt, z.B. unseren neuen zementierten Fischteich und neue Steinwege, die bisherige Trampelpfade ersetzen.
Das Taschengeldprogramm spielt eine wichtige Rolle, um den sehr engagierten ehemaligen Patienten eine Wertschätzung für ihre Arbeit zu vermitteln, und sicher zu stellen, dass wir sie nicht als kostenlose Arbeitskräfte ausnutzen. Wir bieten auch die Möglichkeit, das Taschengeld anzusparen, und wenn sie irgendwann den Sewa Ashram verlassen, können sie den Betrag als Startguthaben in ein neues Leben mitnehmen. 
 
Die Mitglieder dieses Teams treffen sich wöchentlich, um grundlegende Fähigkeiten für ihr Leben zu erlernen. Dazu gehören z.B. Kommunikation, Planung, das Setzen von Zielen und die Aussprache über Konflikte und Probleme. Dieses Team hat sich im letzten Jahr auf beeindruckende Weise entwickelt, sie arbeiten sehr gut zusammen und tragen einen Geist von Freundschaft und Teamwork in den ganzen Ashram hinein. Die zwei ehemaligen Patienten Sarin und Deepak, sowie Prakash leiten als „Team Captains“ dieses Team. Sie haben im laufe des letzten Jahres viel Eigenverantwortung übernommen.

Eine ganz zentrale Rolle in der Lebensgemeinschaft des Sewa Ashram spielt die Spiritualität. Sie basiert auf der Überzeugung, dass die Person Jesus Christus der Dreh- und Angelpunkt für den Weg zu Gott und zur Beantwortung der existentiellen Lebensfragen ist. In Diskussionsgruppen beschäftigen sich unsere Mitarbeiter damit, wie das in unserer täglichen Arbeit anzuwenden und umzusetzen ist, und was uns die Bibel dazu sagt. Es gibt im Sewa Ashram tägliche Gebets- und Meditationszeiten und eine sonntägliche gottesdienstartige Feier.

Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter aus Deutschland, der von September 2008 bis Februar 2009 im Sewa Ashram tätig war, fasste nach seiner Abreise seine Erfahrungen auf folgende Weise zusammen:

„Ich kann nicht einmal annähernd in Worten ausdrücken wie die Zeit mit all den Menschen im Ashram mich berührt und mein Leben verändert hat. Den Ashram nach 6 Monaten zu verlassen, war wie seine Familie zu verlassen, und es war nicht leicht. Aber ich spürte einen tiefen Frieden in mir und wusste, dass es Zeit ist zu gehen. Der Moment, als ich über die Felder zum Ashram ein letztes Mal zurückblickte und Abschied nahm, berührt mich immer noch sehr stark. Mir wurde in dem Moment bewusst, dass ich das Vorrecht gehabt hatte, Teil von etwas sehr schönem und Herausforderndem zu sein. Ich bin so dankbar für all die besonderen Momente, gute und schlechte, lustige und traurige – das gehört alles zu diesem unglaublich schönen Ding das sich Leben nennt. In gewisser Weise begleitet mich der Ashram weiter. Obdachlose Menschen ziehen mich nun irgendwie an und ich fühle nun eine andere Verbindung zu ihnen, es ist schwer zu erklären. Ich weiß, dass so viele schöne Seelen da draußen sind, die Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen müssen. Ich habe viel Respekt vor ihnen und sie machen mich sehr nachdenklich.“


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